Waldprediger

Nein, der Waldprediger ist noch nicht tot, und es hat ihm auch nicht die Sprache verschlagen, aber er hat sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten noch konsequenter in seine Einsiedelei zurückgezogen und versucht, sich einmal eine Weile jeden Kommentars zu enthalten und seinen Umgang auf Tomatenpflanzen, Weinstöcke, Stangenbohnen und andere liebenswerte Zeitgenossen zu beschränken.
So ganz ist ihm das natürlich nicht gelungen, da er zum einen ein recht geselliger Kerl sein kann – wenn es sich lohnt – und zum anderen nicht im luftleeren Raum lebt, wie ihm immer wieder bewußt gemacht wird, zuweilen recht schmerzhaft.

So war sein Herz, das in einem Dreivierteljahrhundert viele Attacken über- und so manchem Sturm widerstanden hat, so sehr aus dem Rhythmus gekommen, daß er in eine der Reparaturwerkstätten mußte, die man für die Betreuung der menschlichen Kreislaufmaschine eingerichtet hat. Vier Tage und drei Nächte war er in einem großen Gebäude von durchaus sehenswerter Architektur über Drähte, Schläuche und Kabel mit verschiedenen Apparaturen verbunden, die seine Fehler „auslesen“ sollten, um es mal in der Sprache der Kfz-Mechatroniker zu formulieren, denn ungefähr so kam er sich vor: wie ein altes Auto, das nicht mehr ganz rund läuft! Doch es kam diesmal noch nicht zur Verschrottung.

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Beim Aufräumen meiner Bibliothek fiel mir dieser Tage ein Karton mit alten Erinnerungsstücken meiner Vorfahren mütterlicherseits in die Hände, Geburtsurkunden, Familienbücher, Taufscheine und natürlich jede Menge Fotos, schwarz-weiß, zerknittert, eingerissen einige, verschwommen andere; gut 100 Jahre Familien-, aber auch deutscher Geschichte.
Das Bild meines Großvaters Franz zum Beispiel aus dem Jahre 1915 zeigt einen kernigen, gut aussehenden Müllergesellen, einen rassigen Trakehner am Halfter führend; ein schmucker Bursche, dem man gerne glaubt, daß alle Dorfschönen, wie er mir oft erzählte, ihm mit verliebten Augen nachblickten, auch die kluge Johanna aus gräflichem Blute, die ihn später aus Liebe und völlig standesungemäß heiratete und meine Großmutter wurde.
So beim Kramen und Betrachten der alten Sachen wurde mir bewußt, in welch kurzen Zeitabständen sich in Deutschland immer wieder grundlegende gesellschaftliche Umbrüche vollzogen haben.

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Gerade eben noch wollte der Waldprediger seinen Lesern – von dreien, vieren weiß er zuverlässig – eine Weihnachtsbotschaft mitteilen, da waren wie mit einem Schlage die Lebkuchen und Schokoladenweihnachtsmänner in den Supermärkten schon wieder den Osterhasen und Fondant-Eiern gewichen.

Die Botschaft zu Ostern konnte er sich dann auch gleich sparen, alldieweil sie dem ganzen Volke bereits von der Mutti Merkel verkündet worden war; und es war keine frohe Botschaft. Es wurde uns mitgeteilt, die Lage sei ernst, sehr ernst, so ernst daß auch der Ostergottesdienst ausfallen müsse. Wahrscheinlich, weil uns nicht mal Gott mehr helfen kann.

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