Waldprediger

Beim Aufräumen meiner Bibliothek fiel mir dieser Tage ein Karton mit alten Erinnerungsstücken meiner Vorfahren mütterlicherseits in die Hände, Geburtsurkunden, Familienbücher, Taufscheine und natürlich jede Menge Fotos, schwarz-weiß, zerknittert, eingerissen einige, verschwommen andere; gut 100 Jahre Familien-, aber auch deutscher Geschichte.
Das Bild meines Großvaters Franz zum Beispiel aus dem Jahre 1915 zeigt einen kernigen, gut aussehenden Müllergesellen, einen rassigen Trakehner am Halfter führend; ein schmucker Bursche, dem man gerne glaubt, daß alle Dorfschönen, wie er mir oft erzählte, ihm mit verliebten Augen nachblickten, auch die kluge Johanna aus gräflichem Blute, die ihn später aus Liebe und völlig standesungemäß heiratete und meine Großmutter wurde.
So beim Kramen und Betrachten der alten Sachen wurde mir bewußt, in welch kurzen Zeitabständen sich in Deutschland immer wieder grundlegende gesellschaftliche Umbrüche vollzogen haben.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Gerade eben noch wollte der Waldprediger seinen Lesern – von dreien, vieren weiß er zuverlässig – eine Weihnachtsbotschaft mitteilen, da waren wie mit einem Schlage die Lebkuchen und Schokoladenweihnachtsmänner in den Supermärkten schon wieder den Osterhasen und Fondant-Eiern gewichen.

Die Botschaft zu Ostern konnte er sich dann auch gleich sparen, alldieweil sie dem ganzen Volke bereits von der Mutti Merkel verkündet worden war; und es war keine frohe Botschaft. Es wurde uns mitgeteilt, die Lage sei ernst, sehr ernst, so ernst daß auch der Ostergottesdienst ausfallen müsse. Wahrscheinlich, weil uns nicht mal Gott mehr helfen kann.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)

Einen ganzen Vormittag lang hat der Waldprediger Möwen am Strand von Usedom beobachtet; wie sie ausdauernd im Winde schwebten, blitzschnell aus der Luft herabschossen, sich Nahrung aus dem salzigen Wasser fischten, auf den schaumigen Wellenkronen treiben ließen oder in Scharen geschwätzig am Strand entlangliefen.
Das waren wunderbare Stunden.

Kommentar schreiben (0 Kommentare)