Jetzt hat der Waldprediger, fast auf den Tag genau, ein Jahr lang geschwiegen. Nicht, weil er nichts mehr zu sagen wüßte, sondern weil er weise werden wollte. Ihm war ein Büchlein in die Hände gefallen, in dem der Dichter in seiner verzweifelten Nachteinsamkeit den Mond fragt:

Sprich, guter Pausback, gelb und heiter,
sag, lieber guter alter Mond,
ist heut die Welt, das Volk gescheiter?
Hat Goethes Wirken sich gelohnt?

Und was sagt der Mond?

Still schweigt der Mond, der Mond schweigt still,
er ist wohl doch ein Weiser.
Wer nicht zu Toren sprechen will,
wird leis’ am End und leiser.

So war halt auch der Waldprediger immer leiser geworden und am Ende ganz verstummt, in der Hoffnung auch so weise zu werden wie der Mond. Ach, man hat gut lachen über das wirre irdische Treiben, wenn man es gelassen aus einem Abstand von fast einer halben Million Kilometer betrachten kann; der Waldprediger aber steckt ja mittendrin in den Wellen des menschlichen Wahnsinns und hat inzwischen jegliche Hoffnung auf lunare Weisheit aufgeben. Er ist es schon zufrieden, der fortschreitenden allgemeinen Verblödung weiterhin einigermaßen zu widerstehen. Statt auf Weisheit setzt er dabei auf Humor. Er bricht deshalb seinen selbst auferlegten Trappisten-Eid, um seinem Leser - cum granum salis – ein paar Geschichten zum Schmunzeln zu berichten.
Nein, keine Angst, die Bundesregierung kommt darin nicht vor. Die ist zwar lächerlich, aber in so verschärften Maße, daß einem doch mehr zum Weinen wird als zum Lachen.
Wirklich amüsant findet der Waldprediger hingegen den Zeitungsbericht über einen Texaner, der in den Knast mußte, weil er vor einer Kirche in Cleburne, einem Provinzstädtchen mit ungefähr dreißigtausend Einwohnern, Kindern lautstark mitgeteilt hatte, daß der Weihnachtsmann "gar nicht echt" sei.
Das gehe ganz und gar nicht, befand der Bürgermeister Scott Cain und wies den Sheriff an, die Handschellen klicken zu lassen.
Erst wenige Tage zuvor war eine Lehrerin im Staate New Jersey vom Schuldienst suspendiert worden, weil sie den Schulkindern erklärt hatte, daß es "Santa Claus" nicht wirklich gebe und auf kindliche Nachfragen auch noch den Osterhasen, die Zahnfee, Weihnachtselfen und Glück spendende Wichtel für frei erfunden erklärte.  Obwohl seit Jahren zuverlässig im Einsatz, darf sie künftig in diesem Schulbezirk nicht mehr unterrichten. Sowohl der Schuldirektor als auch der Schulrat drückten zwar ihr Bedauern darüber aus, betonten aber, daß es wichtiger sei, "das kindliche Staunen im Zusammenhang mit Feiertagen und Traditionen zu erhalten und zu schützen!“
Das ist doch einmal eine Haltung, die die volle Zustimmung des Waldpredigers findet, dem leider auch viel zu früh der kindliche Glaube an das weihnachtliche Wunder genommen wurde, aber das ist eine ganz andere und ziemlich unheilige Geschichte, die er vielleicht einmal bei anderer Gelegenheit erzählen wird.
In der Kita „Mobi“ dagegen, im Hamburger Stadtteil Lokstedt, wird es in diesem Jahr keinen Tannenbaum geben, wie die Kita-Leitung in einem Brief an die Eltern mitteilte.
Das findest du nicht lustig, lieber Leser?
Da ist der Waldprediger ganz deiner Meinung.
Aber offenbart sich nicht umso mehr und höherer Humor in der Begründung dieser, nun sagen wir wunderlichen, Maßnahme: man wolle „kein Kind und seinen Glauben ausschließen“ und „der Baum“ sei als „christliches Symbol nicht mit der Religionsfreiheit vereinbar.“
Natürlich reagierte der rechte Mob sofort mit „massiven rassistischen Drohungen, persönlichen Beleidigungen, Anschuldigungen und Erpressungsversuchen“, klagt der Träger der Einrichtung auf seiner Web-Seite. Ja, selbst vor Tätlichkeiten schreckte er nicht zurück; plötzlich stand ein geschmückter Weihnachtsbaum mit Geschenken vor dem Eingang der Kita. Florian Schröder, der einen Pflanzenshop besitzt und wie der Waldprediger vermutet, heimlicher AfD-Sympathisant ist, hatte die Tanne heimlich aufgestellt, weil er fand, daß „alle Kinder das Recht auf einen Weihnachtsbaum haben“ der doch „für Wärme und Gemeinschaft während der besinnlichen Zeit" stehe.
Keine Frage, daß die Kita-Leitung konsequent handelte, den Baum umgehend entfernte und gegen den verkappten Rassisten Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs stellte. Gleichzeitig leistete man umfassende Aufklärungsarbeit gegen die verleumderische Medien-Kampagne. In den zehn Jahren des Bestehens der Einrichtung habe es immerhin dreimal auch einen Tannenbaum gegeben hieß es. In diesem Jahr habe man die "Dekoration angepasst“, weil "keine christlichen Feste gefeiert werden" sollen, wie die Kita-Leitung laut Hamburger Zeitung in einem Brief an die Eltern erklärte. Plätzchen würden aber gebacken werden!
Der Waldprediger empfindet das als eine mutige und klare Ansage; da weiß man doch genau, wessen Religionsfreiheit hier geschützt werden soll. Andere sind erst noch auf dem Wege zu solch klaren Bekenntnissen und labern lauwarm mit Scheinargumenten wie: Die Verwendung von echten Weihnachtsbäumen, brutal im Wald abgeholzt, könnte als umweltschädlich angesehen werden. Der Waldprediger geht aber jede Wette darauf ein, daß die KITA Mobi in Hamburg-Lokstedt auch einen künstlichen Baum ablehnen würde, obwohl mit ihm gleichzeitig das zweitwichtigste Argument der Weihnachtbaumgegner entfiele, daß „manche Kinder allergisch auf die Tannennadeln reagieren“ könnten.
Ja, haben wir denn so ein Rumgeseiere noch nötig?  Warum sollte eine Kita-Leitung eine andere Sprache sprechen als es die nackten demografischen Fakten tun, die bei den unter Zehnjährigen einen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von über vierzig Prozent ausweisen?  Ja, lieber Leser, dem muß man doch Rechnung tragen und da reicht es einfach nicht, die Bratwurst aus Kitas und Schulen zu verbannen. Also fort mit den üblen integrationshemmenden Weihnachtsbäumen unter die ewig gestrige Eltern vielleicht noch Indianerfiguren oder anderes rassistisches Spielzeug legen könnten!
Vielleicht sind aber ja Weihnachtswünsche noch erlaubt; der Waldprediger hätte da einen, ganz im Sinne der Bereicherung unseres kulturell so armen Volkes: er wünscht sich ein paar texanische Bürgermeister und Sheriffs, wenn möglich mit zwei original texanischen Peacemaker links und rechts an der Hüfte .
In diesem Sinne wünsche ich, der Waldprediger,  Dir, lieber Leser, ein besinnliches nadelbaumfreies und schweinefleischloses Jahresendfest!

 

 

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